Altenpflege 24 Stunden

Die Deutschen leben heute signifikant länger als frühere Generationen. Zu verdanken ist diese Entwicklung in erster Linie dem medizinischen Fortschritt und auch pflegerischen Versorgung in unserem Land. Dadurch hat sich auch das Bild und das Wahrnehmen des Älterwerden geändert und zwar im positiven Sinne. Viele ältere Personen bei uns sind heutzutage häufig bis ins hohe Alter aktiv. Das sogenannte „Alter“, im klassischen Sinne gibt es so gut wie überhaupt nicht mehr, und wenn überhaupt, dann erst viele Jahre danach.

 

Die Anzahl der Betreuungsbedürftigen nimmt stetig zu

Die Menschen in Deutschland unterliegen einem sehr schnellen Alterungsprozess. Die Anzahl der Senioren nimmt rasch zu. Da Deutsche mit steigendem Alter immer häufiger betreuungsbedürftig sind, erhöht sich auch die Anzahl dieser Personengruppe kontinuierlich. Seit 1999 ist sie von zwei auf über 2,6 Millionen gestiegen. Wenn man annimmt, dass die Pflegequoten stabil bleiben und sich die Bevölkerung entsprechend der dreizehnten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung entwickelt, würde die Zahl der Pflegefälle bis 2060 auf mindestens 4,7 Millionen Personen steigen. Dann wären sechs Prozent der Gesamtbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland auf fremde Hilfe angewiesen. Doppelt so viel wie jetzt. Die demographische Entwicklung in Deutschland betrifft die Altenpflege in doppelter Hinsicht. Mit dem Alterungsprozess der deutschen Bevölkerung steigt die Nachfrage nach einer guten und vor allem bezahlbaren Altenpflege 24 Stunden. Gleichzeitig sinkt aber das Potenzial an Arbeitskräften, aus dem der Bedarf nach Pflegepersonal gedeckt werden könnte. 

Pflegefachkräftemangel - Bedarf an Betreuungskräften aus dem Ausland für die 24 Stunden Altenpflege

Die Altenpflege 24 Stunden gehört schon längst zu den am stärksten wachsenden Dienstleistungsbranchen in Deutschland und bietet eine kriesensichere und nachhaltige Perspektive. Die Anzahl der Seniorenbetreuer in ambulanten Pflegeeinrichtungen hat sich zwischen den Jahren 1999 und 2013 um fast 110 % erhöht, die Anzahl aller in der Branche angestellten Personen ist in dem selben Zeitraum um über 60 % auf 1.005.000 gestiegen. Die Anzahl der Pflegefälle hat im gleichen Zeitraum um rund 30 Prozent, zugenommen (Pflegestatistik 2013). Heute fehlen in der Pflege händeringend Betreuungskräfte. Offizielle Daten zur Zahl aller nicht besetzten Stellen in den Pflegebranche liegen leider nicht vor. Indizien für bestehende Engpässe können jedoch aus der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit (Juni 2015) entnommen werden. Stellenanzeigen für Altenpflegekräfte sind im Bundesdurchschnitt 123 Tage vakant (+50 Prozent gegenüber insgesamt). Auf hundert gemeldete Stellen (ohne Zeitarbeit) kommen rechnerisch nur 46 Arbeitssuchende. Die Zahl der Pflegebedürftigen und somit der Bedarf an Altenpfleger werden in der Zukunft ohne Zweifel ansteigen. Prognosen über den künftigen Personalbedarf in der Seniorenbetreuung wurden von verschiedenen Forschern erstellt und kommen zu verschiedenen Ergebnissen. Sie hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Der zusätzliche Bedarf an Seniorenbetreuern für die 24 Stunden Altenpflege hängt neben der Entwicklung in der Bevölkerung unter anderem von der Entwicklung von ambulant und stationär Betreuten  dem Verhältnis von Pflegefachkräften zu Hilfskräften, Bedarf nach einem Ersatz durch Kündigungen aus Altersgründen, Unterbrechungsperioden im Beruf, Veränderungen der Arbeitszeiten und selbstverständlich auch von der Existenz einer 24 Stunden Pflege durch beispielsweise polnische Pflegekräfte ab. Nach der vorsichtigen Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kann sich der Bedarf an Pflegepersonal in der Branche bis zum Jahr 2050 sogar auf bis zu 1,5 Mio. Pflegekräfte im Vollzeit mehr als verdoppeln. Angenommen, dass der Anteil Betreuungsbedürftiger in den Altersgruppen sinken wird, schätzt das DIW einen Bedarf an Pflegefachkräften bis 2050 von ungefähr 850 000 Altenpfleger (also ca. 200.000 mehr als momentan). Dank der verbesserten Attraktivität des Pflegeberufes und gezielten Zuwanderung aus den neuen EU-Ländern könnte der Arbeitskräftemangel nach der Einschätzungen des DIW bei sinkenden altersspezifischen Betreuungswahrscheinlichkeiten bis auf 15.000 minimiert werden. Bis zum Jahr 2025 schätzt das Statistische Bundesamt mit einem ungedeckten Bedarf an ausgebildetem Pflegepersonal in Höhe von ca. 140.000 bis 220.000 Pflegekräften bis zum Jahr 2025.

 

Mehr Personal für die Altenpflege

Die Politik hat bereits viele Maßnahmen initiiert, um mehr Deutsche für die Berufe in der 24 Stunden Altenpflege zu motivieren und zu begeistern. In erster Linie gehören dazu: 1) Neugestaltung der Rahmenbedingungen des Bedarfs an betreuerischer Versorgung, 2) Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive im Bereich der Seniorenbetreuung, 3) Modernisierung des Lehrgangs (neues Berufegesetz), 4) eine fachliche Personalbemessung in der Seniorenpflege, 5) gesetzlich festgelegter Mindestlohn in der Branche, 6) Tariflöhne (neue Rahmenbedingungen), 7) Entlastung des Alltags in der Pflege durch mehr Personal in den Pflegeeinrichtungen, 8) Abbau von Bürokratie (Pflegedokumentation), 9) Allgemeine Aufwertung der Altenpflege (die Qualität der Ergebnisse), 10) gute Öffentlichkeitsarbeit, 11) Zuwanderung von Betreuungskräften aus dem Ausland.